Sexueller MissbrauchAls rtf-Dokument zum Download© Copyright 2004 Markus Salhab Inhalt
1. DefinitionDer Begriff sexueller Mißbrauch wird in der Literatur recht uneinheitlich definiert. Der wissenschaftliche Rat der amerikanischen Ärztevereinigung versteht unter sexuellem Mißbrauch "das Ausnützen eines Kindes zur (sexuellen) Befriedigung eines Erwachsenen" ( Council of Scientific Affairs of the American Medical Association, 1985, p.789). Eine knappe Definition, die nicht das ganze Phänomen "sexueller Mißbrauch" umfaßt. Zum einen wird die Perspektive der Opfer ausgeklammert, zum andern werden nur Erwachsene als potentielle Täter genannt. Studien weisen aber darauf hin, daß viele erwachsene Täter bereits in ihrer Jugend Kinder sexuell mißbraucht haben. In der Regel ist sexueller Mißbrauch durch folgende Kennzeichen charakterisiert:
Aber was genau ist eine sexuelle Handlung und wann ist eine Abhängigkeitsbeziehung gegeben. Sind Doktorspiele zwischen dem zwei Jahre älteren Bruder und seiner Schwester schon dem sexuellen Mißbrauch zuzuordnen oder handelt es sich hier lediglich um pubertäre Spiele die wichtig für die Sexualentwicklung der Beteiligten sind? Aber auch bei den anderen drei Merkmalen handelt es sich nur um oberflächliche Beschreibungen, die in Fehldeutungen und Beliebigkeit münden können. Die Schwierigkeit sexuellen Mißbrauch einzugrenzen wird in der Definition von Fegert deutlich: "Sexueller Mißbrauch ist ein traumatisches Erlebnis (eine Noxe), das auch mit konkreten körperlichen Traumata verbunden sein kann und psychische Sofort-, Früh- oder Spätfolgen zeitigen kann. Zu diesen psychischen Folgen können eine große Zahl von Symptomen gehören, wobei eine lineare Kausalität (sexueller Mißbrauch - Krankheitsbild) - bei aller Evidenz - wissenschaftlich oft nicht aufzuzeigen sein wird.
2. Sexueller Mißbrauch in der Geschichtezurück zur GliederungSexuelle Handlungen von Erwachsenen mit kleinen Kindern hat es immer schon gegeben, dies belegen die Schriften der alten Völker wie Sumerer, Babylonier, Israeliten sowie die Überlieferungen der Griechen und Römer. Im Unterschied zu heute war die gesellschaftliche Akzeptanz der sexuellen Beziehungen von Männern mit Kindern weitaus größer, da sie mit religiösen Argumenten und alten Mythen gerechtfertigt wurden und somit teilweise legal waren. Der Talmud befand, daß ein weibliches Kind von drei Jahren und einem Tag durch Geschlechtsverkehr mit dem Einverständnis des Vaters verlobt werden könne. Geschlechtsverkehr mit einem noch jüngeren Mädchen sei kein Verbrechen und werde deshalb auch nicht geahndet. Das Leben der Kinder in der damaligen Zeit war außerordentlich beschwerlich. Das Kind galt vor allem in der jüdischen, später auch in der christlichen Tradition als Eigentum der Eltern und die Eltern hatten uneingeschränkte Macht über das Kind. "Wenn jemand eine noch nicht verlobte Jungfrau -jünger als 12 Jahre- trifft, sie packt, ihr beiwohnt und dabei ertappt wird, so hat der Mann, der ihr beigewohnt hat, dem Vater des Mädchens 50 Silberscheckel zu zahlen, auch muß er sie zum Weibe nehmen, dafür, daß er sie schwächte..." (Deut.22:28/29) In Griechenland oder Rom aufzuwachsen bedeutete damals häufig , von älteren Männern mißbraucht zu werden. In Rom gab es Knabenbordelle und in Athen konnte man sogar per Vertrag einen Knaben mieten. Wo homosexueller Verkehr mit freien Knaben gesetzlich verboten ist, halten sich die Männer Sklavenjungen. Kinder, sowohl Knaben als auch Mädchen, werden zur Prostitution verkauft. Im Mittelalter war nach Ansicht der Kirchenfürsten, ein Kind durch die vaginale Penetration reif für die Ehe. Das Kind mußte allerdings mindestens sieben Jahre alt sein, da dies das Übergangsalter von der Kindheit zum Erwachsensein war. Sieben war also das gesetzliche Mindestalter für die Verlobung. Solche Kindesehen wurden meist dann eingegangen, wenn damit ein Machtzuwachs oder Geldgewinn garantiert war. In der Zeit Ludwig XIII galt es als besonders anregend mit kastrierten Knaben Analverkehr zu betreiben. Säuglinge und Kleinkinder werden kastriert, um in Bordellen von Männern gebraucht zu werden. Auffallend ist die mangelnde Präsenz von Kindern in geschichtlichen Aufzeichnungen. Nicht nur in der Antike, sondern auch in der mittelalterlichen Kunst finden sich kaum Darstellungen von Kindern. Das mangelnde Interesse am Kinde zeigt sich auch im Umgang mit ihnen. So wurden sie unzureichend gepflegt, mißhandelt, ausgesetzt, versklavt, getötet und sexuell ausgebeutet. Die Forschung geht davon aus, daß etwa die Hälfte aller Kinder in einem Zustand zwischen Leben und Tod dahinvegetierten und viele starben. Generell läßt sich sagen, daß der sexuelle Mißbrauch von Kindern zu früheren Zeiten viel verbreiteter gewesen war als heute.3. Prävalenzzurück zur GliederungPrävalenzen aus epidemiologischen Studien zu sexuellem Mißbrauch sind, je nach Untersuchung erheblichen Schwankungen unterworfen. Eine finnische Studie mit Schüler und Schülerinnen im Alter von 16 Jahren ergibt eine Prävalenz sexuellen Mißbrauchs in der Kindheit von 7% bei den Mädchen und 4% bei den Jungen. Eine Studie mit Psychologiestudenten und -studentinnen aus Südafrika mit den selben Fragebögen findet Prävalenzraten von 34% bei den Frauen und 29% bei den Männern. Andere Studien in anderen Ländern finden Prävalenzen die zwischen diesen beiden Extremen liegen. Wie kommt es zu diesen großen Unterschieden, sind sie tatsächlich vorhanden oder liegt es an den unterschiedlichen Vorgehensweisen der einzelnen Prävalenzuntersuchungen? Wahrscheinlich tragen unterschiedliche Falldefinitionen, unterschiedliche Stichproben und unterschiedliche Befragungsinstrumente zu den disparaten Ergebnisse der Prävalenzuntersuchungen bei (Cecile Ernst).
Zusammenfassend kann gesagt werden, daß Untersuchungen zum sexuellen Mißbrauch mit eindeutigen Falldefinitionen arbeiten müssen, hohe Ausschöpfungsquoten haben sollten und ein Befragungsinstrument benutzen sollten, das nicht selber selektionierend wirkt. Untersuchungen aus Europa und den Vereinigten Staaten die diese Kriterien erfüllen ergeben, daß 10%-15% der Frauen und 5%-10% der Männer bis zum Alter von 14 oder 16 Jahren mindestens einmal einen unerwünschten oder durch die "moralische" Übermacht einer deutlich älteren Person oder durch Gewalt erzwungenen sexuellen Körperkontakt erlebt haben. 4. Die Ursachen sexuellen Mißbrauchszurück zur GliederungSoll das Phänomen des sexuellen Mißbrauchs in seinen ganzen Umfang verstanden werden, so ist notwendig die Ursachen zu analysieren, die zu sexuellem Mißbrauch führen. Sie bestimmen, wie mit dem Problem umgegangen wird, welche Maßnahmen zur Prävention und Intervention ergriffen werden und damit letztlich, ob es gelingen kann, Ausmaß und Auswirkungen sexueller Gewalt einzudämmen. Im folgenden werden nach Ulrike Brockhaus und Maren Kolshorn zwei verschiedene Erklärungsansätze vorgestellt, der tradionelle und der feministische. Traditionelle ErklärungsansätzeDie traditionellen Erklärungsansätze sexueller Gewalt von Männern hat es immer schon gegeben und herrschen auch heute noch in der Öffentlichkeit und zumindest bis in die jüngste Vergangenheit der Wissenschaft vor. Sie werden nicht nur zur Erklärung dieses Phänomens herangezogen, sondern auch zur Rechtfertigung sexueller Gewalt. Die Unterschiede im Sexualverhalten zwischen Männern und Frauen und den damit verbundenen Konsequenzen ist die Basis des traditionellen Ansatzes. Im einzelnen werden folgende Erklärungen für sexuelle Gewalttaten gegen Frauen und Kindern herangezogen:
Das traditionelle Ursachenverständnis ist empirisch nicht haltbar. Viele Studien stehen sogar im Widerspruch zu den oben angeführten möglichen Ursachen sexuellen Mißbrauchs.
Der feministische Ansatz geht davon aus, daß eine angemessene Antwort auf die Frage nach den Ursachen des sexuellen Mißbrauchs nur dann gefunden werden kann, wenn sexuelle Gewalt im gesellschaftlichen Kontext der Machtstrukturen zwischen den Geschlechtern analysiert wird. Die feministische Grundthese ist, daß sexuelle Gewalt im wesentlichen durch eine patriarchale Kultur bedingt ist und gleichzeitig dazu beiträgt, eben diese patriarchale Kultur aufrechtzuerhalten. Charakteristisch für patriarchale Gesellschaften ist die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Nichtbesetzung von Frauen in Machtpositionen, die Tatsache, daß Frauen über weniger materielle Ressourcen verfügen als die Männer und ein traditionelles Geschlechtsrollenverständnis. Empirische Belege für die feministische These:
5. Die Folgen sexueller Gewaltzurück zur GliederungKathleen A. Kendall-Tackett, Linda Meyer Williams und David Finkelhor untersuchten die Folgen sexueller Gewalt anhand einer Überblicksarbeit, in der sie eine Vielzahl von Studien miteinander verglichen haben. In den Überblick wurden nur jene Studien aufgenommen, in denen alle Probanden 18 Jahre oder jünger waren. Die einzelnen Arbeiten wurden zwischen 1988 und 1993 veröffentlicht. In einem ersten Ansatz ging es um den Vergleich zwischen den Symptomen von mißbrauchten und nicht-mißbrauchten Kindern. Das häufigste Symptom das sich bei sexuell mißbrauchten Kindern zeigt ist sexualisiertes Verhalten. Sexualisiertes Verhalten, das als das charakteristischste Symptom sexuellen Mißbrauchs angesehen wird, beinhaltet Aspekte wie sexualisiertes Spiel mit Puppen, Einführen von Gegenständen in den After oder die Vagina, exzessives oder öffentliches Masturbieren, verführerisches Verhalten, Ersuchen um sexuelle Stimulation von Erwachsenen oder anderen Kindern und alters-unangemessenes sexuelles Wissen. Es finden sich aber auch eine Vielzahl anderer Symptome hinsichtlich derer sich mißbrauchte von nicht-mißbrauchten Kindern unterscheiden können. Im einzelnen sind das, Furcht, Alpträume , die allgemeine Posttraumatische Belastungsstörung, Rückzugsverhalten, neurotische Störungen, Grausamkeit, Delinquenz, regressives Verhalten (einschließlich Enuresis, Enkopresis, Wutanfälle und Jammern), Weglaufen, allgemeine Verhaltensprobleme, selbstverletzendes Verhalten (Substanzmißbrauch, Anorexie, Bulemie u.a.) und zusammengesetzte Symptome wie Internalisierung (Rückzugsverhalten, Ängstlichkeit, Hemmung, Überkontrolle) und Externalisierung (Aggression, antisoziales und unkontrolliertes Verhalten). Werden sexuell mißbrauchte Kindern mit anderen klinischen nicht-mißbrauchten Kindern verglichen, so ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Bei vielen, der gemessenen Symptomen zeigten sich in der Mehrheit der Studien sexuell mißbrauchte Kinder aktuell weniger auffällig als die klinischen Kinder. Nur hinsichtlich des sexualisierten Verhaltens und der allgemeinen posttraumatischen Belastungsstörung zeigten sich bei sexuell mißbrauchten Kindern stärkere Symptome. Dies wird zum einen damit erklärt, daß die nicht-mißbrauchten Kinder in Wirklichkeit vielleicht Kinder sind, deren Mißbrauch einfach nicht aufgedeckt worden ist. Zum anderen werden Kinder gerade wegen ihres symptomatischen Verhaltens in Kliniken überwiesen. Somit liegt es auf der Hand, daß sie mehr Symptome zeigen als Kinder die nicht wegen ihrer Symptome in die Klinik überwiesen wurden, sondern aufgrund dessen was ihnen angetan wurde. In einem weiteren Ansatz untersuchten die Autoren den tatsächlichen Anteil der Opfer für jedes einzelne Symptom und die Verteilung der Symptome auf die verschiedenen Altersstufen. Die Kinder wurden zum Zeitpunkt der Datenerhebung in drei Gruppen eingeteilt: Vorschulalter (0-6 Jahre), Schulalter (7-12 Jahre), Adoleszenz (13-18 Jahre). Die beiden Symptome die in allen Altersstufen ähnlich häufig auftraten waren und somit sehr stabile Symptome darstellen sind Depressionen und Schul-/Lernprobleme. Bei den mißbrauchten Vorschülern waren die häufigsten Symptome Angst, Alpträume, allgemeine posttraumatische Störung, Internalisierung, Externalisierung und unangemessenes Sexualverhalten. Bei Kindern im Schulalter umfaßten die häufigsten Symptome Furcht, neurotische und allgemeine psychische Störungen, Aggression, Alpträume, Schulprobleme, Hyperaktivität und regressives Verhalten. Bei Jugendlichen waren es Depressionen, Rückzugs-, suizidales und selbstverletzendes Verhalten, somatische Beschwerden, ungesetzliche Taten, Weglaufen und Substanzmißbrauch. Die Ergebnisse deuten darauf hin, daß ein großer Anteil der Symptomatologie entwicklungsspezifisch ist. Die Altersabhängigkeit bestimmter Symptome könnte aber auch auf den Vergleich von ungleich großen Stichproben zurückgeführt werden. Neben den Opfern mit spezifischen Symptomen, gibt es überaschenderweise einen sehr hohen Anteil von mißbrauchten Kindern die keinerlei Symptome aufweisen. In mehreren Studien findet sich ein Anteil zwischen 21 % und 49 % von mißbrauchten Kindern die beschwerdefrei sind. Es gibt mehrere mögliche Erklärungen für das Phänomen:
Einflüsse des Alters zum Zeitpunkt der Erhebung, des Alters bei Beginn des Mißbrauchs, der Anzahl der Täter und der verstrichenen Zeit zwischen der Beendigung des Mißbrauchs und der Erhebung, ergeben keine eindeutigen Ergebnisse. Betrachtet man Längsschittstudien, so ergibt sich, daß im ersten Jahr oder in den ersten eineinhalb Jahren nach der Aufdeckung, die Hälfte bis zwei Drittel aller Kinder weniger Symptome zeigten, während sich bei 10-24% die Symptome verstärkten. 6-19% erlebten einen weiteren sexuellen Mißbrauch (Kathleen et al.). Die Ängste und die somatischen Symptome verringerten sich am schnellsten. Aggressives Verhalten und sexuelle Fixierungen blieben am ehesten bestehen oder verstärkten sich sogar. Einen negativen Einfluß auf die Verbesserung der Symptomatik haben zahlreiche, langwierige oder hart geführte Zeugenverhöre im Gerichtssaal (Whitcomb et al. 1991). Eine Besserung der Symptomatik wird durch ein unterstützendes Familienumfeld gefördert. 6. Die Täterzurück zur GliederungEtwa ein Drittel der Täter verüben bereits als Jugendliche ihre ersten sexuellen Gewalttaten und praktizieren diese bis ins hohe Alter. Die Kontaktaufnahme zu Jungen und Mädchen erfolgt dabei sehr gezielt, so entscheiden sich manche für einen Beruf, der die Nähe zu Jungen und Mädchen garantiert (z.B. Hausmeister an einer Grundschule), andere suchen Orte auf an denen sich Jungen und Mädchen oft aufhalten (z.B. Schwimmbäder, Spielplätze, Spielwarenabteilungen), wieder andere suchen Kontakte zu alleinerziehenden Mütter. Manche Täter bieten Nachhilfeunterricht, Freizeitangebote und Babysitterdienste an. Es kommt auch vor, daß bereits mißbrauchte Mädchen und Jungen als Schlepper eingesetzt werden, ihre kleinen Freunde und Freundinnen anzuwerben. Wie bewußt und planvoll Täter vorgehen, um sexuelle Gewalt gegen Kinder auszuüben, zeigt eine Studie, in der Täter aufgefordert wurden, ein Handbuch zu schreiben, " wie man ein Kind mißbraucht " (Conte, Wolf & Smith): Such ein Kind aus, welches eine schlechte Beziehung zu den Eltern hat, ... welches wenig Freundinnen hat ... Geh langsam vor ... Sieh zu. daß Dir so viele Leute wie möglich aus der Umgebung des Kindes vertrauen ... Laß Pornos herumliegen. Rede über Sex. Beobachte die Reaktionen des Kindes ... Tu so, als wäre das etwas ganz Normales ... Berühre wie zufällig ihre Brust ... Benutze Liebe als Köder ... Drohe ihr niemals. Gib ihr die Illusion, daß sie frei entscheiden kann, ob sie mitmachen will oder nicht. Welches Mädchen oder welcher Junge ausgewählt wird hängt im allgemeinen von der Widerstandsfähigkeit der Kinder ab. Die Täter suchen sich nach Enders, 1997 gezielt Mädchen und Jungen aus die
Haben sich die Täter für einen Jungen oder ein Mädchen entschieden wenden sie immer wieder Testrituale an, um abzuklären, wie leicht das Opfer zu verführen ist.
Der Täter spricht ganz ungeniert über Sexualität. Mit diesen Testritualen soll die Widerstandskraft getestet und die Wahrnehmung der Mädchen und Jungen vernebelt werden. Es werden aber nicht nur die Kinder oder Jugendlichen getäuscht sondern auch die Umwelt. Die Täter erreichen dies, indem sie
Täter, die ihre Opfer nicht innerhalb der Familie finden, verführen Mädchen und Jungen indem sie ihnen Geschenke anbieten oder indem sie dem Opfer das Gefühl geben, gegenüber andern Mädchen und Jungen bevorzugt behandelt zu werden. Manche hofieren die Kinder indem sie sie wie Erwachsene behandeln oder zeigen großes Interesse an ihren Ängsten und Sorgen. Wie schaffen es nun die Täter ihre Opfer zum Schweigen zu bringen?
Unter sexualpsychologischen Gesichtspunkten lassen sich die Täter grob zwei Kategorien zuordnen, der Pädophilie und dem sexuellen Mißbrauch ohne Pädophilie. Pädophilie wird im DSM-IV folgendermaßen definiert: Diagnostische Kriterien für Pädophilie (302.2 DSM-IV)
Nicht einzuschließen ist ein "Spätadoleszenter" (-adoleszente) der oder die in eine Liebesbeziehung mit einer (einem) 12-oder 13jährigem (jährige) involviert ist. Zu unterscheiden sind gleichgeschlechtliche P., gegengeschlechtliche und bisexuelle P., sowie ausschließliche oder nicht-ausschließliche P., sowie inzestuöse bzw. nicht-inzestuöse (DSM-IV;APA,1994,p.258). Pädophile Menschen empfinden Kinder als sexuell anregend, sie wissen aber auch, daß die Kinder ihre Gefühle niemals teilen würden, worunter sie sehr leiden. Bei nicht-pädophilen Täter sind Kinder nur ausnahmsweise die ausschließlichen Sexualobjekte, da diese Sexualobjekte suchen müssen die noch schwächer sind als sie selbst. Barnard hat die Merkmale von männlichen Kindesmißbraucher, die ins Gefängnis kamen untersucht. Ihnen gemeinsam ist, daß sie das "Ausweichen auf ein schwaches Objekt begünstigen". Diese Merkmale sind (zusammengefaßt nach Barnard et al., 1989):
Natürlich sind Menschen bei denen obengenannte Merkmale zutreffen nicht zwangsläufig potentielle sexuelle Mißbraucher. 7. Zusammenfassungzurück zur GliederungDie sexuelle Ausbeutung des Kindes ist ein sehr altes, gesellschaftliches Problem, das in allen Kulturen und zu allen Zeiten auftrat. Sie findet vorläufig ihren grausamen Höhepunkt in der Verbreitung von sogenannter Kinderpornographie im Internet. Nach der Durchsicht verschiedener Prävalenzstudien, kann davon ausgegangen werden, daß ca. jedes zehnte Mädchen und fünf Prozent der Jungen Opfer sexuellen Mißbrauchs wurden. Letztendlich kennt jedoch keiner die genauen Zahlen, da von einer erheblichen Dunkelziffer ausgegangen werden muß, zudem gibt es noch keine allgemein verbindlichen Definitionen von Sexuellem Mißbrauch. Neben dem traditionellen Erklärungsansatz der Ursachen, welcher empirisch nicht haltbar ist gibt es noch den feministischen Ansatz. Er besagt, daß sexuelle Gewalt im wesentlichen durch eine patriarchale Kultur bedingt ist und gleichzeitig dazu beiträgt, eben diese patriarchale Kultur aufrechtzuerhalten. Es ist anzunehmen, daß es noch einige Zeit dauern wird, bis die aktuellen gesellschaftlichen Strukturen aufbrechen und Veränderungen möglich machen. Betrachtet man die Geschichte des sexuellen Mißbrauchs an Kindern und Jugendlichen so läßt sich feststellen, daß in früheren Zeiten, Kinder stärker sexuell ausgebeutet wurden als heute. Ob eine weitere Besserung zu erwarten ist bleibt aufgrund der zunehmenden Ausbreitung der Kinderpornographie im Internet fraglich. Eine bessere Aufklärung und die Ent-Tabuisierung der Thematik muss für weitere Veränderungen sorgen. Es ist die Pflicht jedes Einzelnen von uns daran mitzuwirken, Missbrauchsfälle aufzuklären, unsere Kinder zu schützen und die Täter für ihre Taten zur Rechenschaft zu ziehen. 8. Literatur:zurück zur Gliederung
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